Rakowski Protokoll.pdf


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Oberen sah vor, daß Hitler mit Stalin, seinem ideologischen Todfeind, einen
Pakt schließen sollte, um den Rücken für seinen Angriffskrieg gegen die
Westmächte frei zu haben, die von Amerika zum Schein unterstützt würden,
damit ein möglichst lange anhaltender und grausamer Krieg alle europäischen
Nationen für die kommunistische Revolution nach dem russischen Muster von
1917 reif machen würde. Die Initiative zum Hitler-Stalin-Pakt sollte von der
Sowjetunion ausgehen. Es besteht kein Zweifel daran, daß Rakowskij der
eigentliche Inspirator des scheinbar paradoxen Zweckbündnisses zwischen dem
faschistischen und dem kommunistischen Diktator war, das 1939 Wirklichkeit
wurde; er beauftragte am Ende des langen Verhörs Kuzmin damit, sofort
Verbindung zum amerikanischen Botschafter in Moskau aufzunehmen, der
genügend eingeweiht sei, um die inoffizielle Bestätigung der Geheimen Oberen,
zu denen Rakowskij keinen Kontakt mehr besaß, deren Gedankengänge er aber
bestens kannte, für Rakowskijs Vorschlag einzuholen. Die Geschichtsbücher
lehren uns, daß der Vorschlag tatsächlich ein Jahr später in die Tat umgesetzt
wurde; wie schon früher gesagt, belohnte Stalin den wertvollen Dienst, den
Rakowskij ihm damit erwiesen hatte, durch die Begnadigung zu zwanzigjähriger
Haft.
Nachdem Stalin sich also mit den Geheimen Oberen ins Benehmen gesetzt hatte,
konnte der Krieg in seiner geänderten Version beginnen. Zunächst wurde Polen
geteilt, was aber von den erstens eingeweihten und zweitens von Rußland zu
weit entfernt liegenden Westmächten nur als Kriegsgrund gegen Hitler, nicht
jedoch gegen Stalin geltend gemacht wurde. Man weiß heute, daß Stalin das
Abkommen mit Hitler genausowenig zu halten bereit war wie Hitler selbst (vgl.
dazu beispielsweise Herbert Gersner, Hitler in Stalins Kalkül, in: CODE Nr.
6/89, 8-13); womöglich hatte er es inzwischen vorgezogen, sich den Plänen der
Geheimen Oberen unterzuordnen, um seine Macht nicht unnötig zu gefährden,
und hatte nun den Auftrag erhalten, die Revolution weit nach Westeuropa zu
tragen, das durch Hitlers Krieg revolutionsreif gemacht würde. Hitlers
überraschender Angriff auf die Sowjetunion - nach Gersner, der sich auf ein
neues Buch eines hohen russischen Militärs unter Stalin beruft, der Versuch,
Stalins drohendem Angriff zuvorzukommen - konnte den Plan der Geheimen
Oberen zwar verzögern, aber nicht vereiteln, jedenfalls was die eine Hälfte
dieses Plans betraf. In den west- und südeuropäischen Ländern einschließlich
Deutschlands selbst wollte es nicht gelingen, eine revolutionäre Stimmung in
der Bevölkerung hervorzurufen, aber Ost- und Südosteuropa wurde Stalins
kommunistischem Imperium einverleibt. Daß das mit voller Billigung der
Westmächte geschah, wird im Hinblick auf die Konferenz von Jalta im Februar
1945 sogar allgemein zugegeben.
In welcher Weise aber Stalin dazu verholfen wurde, das ihm zugeschanzte
europäische Territorium auch wirklich für die Geheimen Oberen in Besitz zu
nehmen, das steht in keinem offiziellen Geschichtsbuch. Im September 1943