Rakowski Protokoll.pdf

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Kuz.: Eine Person mit Vertretungsmacht, mit Vollmachten.
Rak.: Und warum? Um des Vergnügens willen, sie zu kennen und zu
sprechen? - Berücksichtigen Sie, daß die angenommene Person, falls
sie sich einstellt, keine Beglaubigungsschreiben mit Siegel und
Stempel mitbringen, keine Diplomatentracht tragen wird, am
allerwenigsten von "Jenen"; was sie sagt oder verspricht, was sie an
Verträgen abschließt, wird keinerlei juristischen oder Vertragswert
haben. Verstehen Sie, daß "Jene" kein Staat sind, sie sind, was die
Internationale vor 1917 war, was sie offiziell heute noch ist - zugleich
Nichts und Alles, Stellen Sie sich vor, die Sowjetunion wollte mit der
Freimaurerei, mit einer Spionage-Organisation, mit dem
mazedonischen Komitadschi oder den kroatischen Ustascha
verhandeln. Würde es da irgendetwas Amtliches, Geschriebenes,
juristisch Vertragliches geben? Solche Verträge, wie diejenigen
zwischen Lenin und dem deutschen Generalstab oder die von Trotzkij
mit "Jenen" vollziehen sich ohne Brief und Siegel. Die einzige
Garantie für ihre Erfüllung beruht darin, daß es den
Vertragschließenden nützlich ist, den Vertrag zu erfüllen - und das ist
die einzige wirkliche Garantie bei jedem Vertrag, auch wenn er mit
noch soviel Feierlichkeit geschlossen wird.
Kuz.: In diesem Falle - was würden Sie beginnen?
Rak.: Ehrlich gesagt, ich würde noch morgen anfangen, Berlin zu
sondieren.
Kuz.: Um den Angriff auf Polen zu vereinbaren?
Rak.: Damit würde ich nicht anfangen. Ich würde mich
entgegenkommender zeigen, etwas enttäuscht von den Demokratien,
würde in Spanien etwas nachgeben ... Das wäre eine Tatsache, die
Mut macht; dann würde ich vage auf Polen anspielen. Wie Sie sehen keine Festlegungen, aber genug, damit die Elemente des OKW, die
Männer der Bismarck-Linie, wie sie sich nennen, Hitler gegenüber
Argumente bekommen.
Kuz.: Nicht mehr.
