Rakowski Protokoll.pdf

Vista previa de texto
undenkbar,
angreifen?
daß
die
Demokratien
nur einen der
Aggressoren
Kuz.: Was wollen Sie damit sagen?
Rak.: Einfach daß die Demokratien nur einem der Angreifer den Krieg
erklären, genau gesagt, Hitler!
Kuz.: Das ist nur eine billige Hypothese.
Rak.: Hypothese ja, aber keineswegs billig. Überlegen Sie: jedes
Volk, das gegen eine Koalition feindlicher Staaten kämpfen muß, hat
als wichtigstes strategisches Ziel, sie getrennt, einen nach dem
anderen, zu schlagen. Das ist eine so wohlbekannte und vernünftige
Regel, daß man sie nicht erst beweisen muß. Also, Sie werden mit mir
übereinstimmen, diese Gelegenheit zu schaffen wäre nicht falsch. Da
Stalin sich durch einen Angriff der Demokratien auf Hitler selbst nicht
angegriffen fühlt und ihm auch nicht beispringt, ergibt sich die Frage:
Ist das nicht der richtige Weg? Außerdem legen die Geographie und
vor allem auch die Strategie das nahe. Frankreich und England werden
doch nicht so dumm sein, zu gleicher Zeit gegen zwei Mächte
kämpfen zu wollen, von denen eine bereit ist, neutral zu bleiben, und
die andere ohnehin schon für sie eine harte Nuß darstellt. Und von wo
aus sollten sie denn einen Angriff auf die Sowjetunion durchführen?
Sie haben mit ihr keine gemeinsame Grenze, es sei denn, sie griffen
über den Himalaya hinweg an. Gewiß, es bleibt die Front in der Luft,
aber womit und von wo aus sollten sie Rußland angreifen? In der Luft
sind sie Hitler völlig unterlegen. Was ich da geltend mache, ist ja kein
Geheimnis, es ist nur allzusehr bekannt. Wie Sie sehen, vereinfacht
sich alles sehr.
Kuz.: Ja, wenn man den Konflikt auf die vier Mächte begrenzt, sind
Ihre Schlüsse logisch. Aber es sind nicht vier - es sind viele, und die
Neutralität ist in einem Krieg von solchem Umfang nicht leicht
aufrechtzuerhalten.
Rak.: Gewiß, aber auch das mögliche Eingreifen weiterer Nationen
ändert das gegenseitige Verhältnis der Kräfte nicht. Machen Sie im
