Rakowski Protokoll.pdf

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Kuz.: Auch wenn ich das zugebe, erklären Sie mir doch die technische
Verwirklichung.
Rak.: Da, wie Sie gesehen haben, Stalins und Hitlers Interessen für
ihren Angriff auf Polen zusammenfallen, bleibt nur noch übrig, diese
Übereinstimmung zu formulieren und einen Vertrag über den
Doppelangriff zu schließen.
Kuz.: Und das halten Sie für sehr leicht?
Rak.: Gewiß nicht. Man brauchte dazu eine erfahrenere Diplomatie als
sie Stalin hat. Man müßte diejenige dafür im Dienst haben, die Stalin
enthauptet hat oder die jetzt in der Lubjanka verfault. Litwinow wäre
in früheren Zeiten dazu fähig gewesen, wenn auch mit gewissen
Schwierigkeiten, weil seine Rassenzugehörigkeit ein großes Handicap
für Verhandlungen mit Hitler gewesen wäre, aber heute ist er als
Mensch fix und fertig, gejagt von einem panischen Schrecken, er hat
eine tierische Angst, weniger vor Stalin als vor Molotow. All sein
Talent ist festgelegt darin, daß man ihn nicht für einen Trotzkisten
halte. Wenn er erfährt, daß er eine Annäherung an Hitler einfädeln
soll, hieße dies für ihn ebensoviel wie wenn man ihm zumutete, er
solle selber den Beweis seines Trotzkismus liefern. Ich sehe den
geeigneten Mann nicht - außerdem müßte er ein reinblütiger Russe
sein. I c h würde mich für die erste Fühlungnahme anbieten. Und ich
rege an, daß wer immer die Gespräche beginnt, die auf einer ganz
vertraulichen Ebene stattfinden müßten, von Ehrlichkeit überfließen
muß. Angesichts der Mauer von Vorurteilen kann man Hitler nur
mittels der Wahrheit hereinlegen.
Kuz.: Ich verstehe wieder einmal Ihre Rede in Paradoxen nicht.
Rak.: Entschuldigen Sie, das ist sie nur scheinbar; die Notwendigkeit
der Zusammenfassung zwingt mich dazu. Ich wollte sagen, daß man
im Konkreten und Naheliegenden mit Hitler mit offenen Karten
spielen muß. Man muß ihm zeigen, daß es sich um kein abgekartetes
Spiel von Provokationen handelt, um ihn in einen Zweifrontenkrieg zu
verwickeln. Zum Beispiel kann man ihm versprechen und im
gegebenen Augenblick auch zeigen, daß unsere Mobilmachung sich
