Rakowski Protokoll.pdf


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Kuz.: Ich bitte Sie darum, dazu habe ich Sie ja aufgefordert.
Rak.: Hatte nicht auch Lenin einen höheren Grund, die Hilfe
Deutschlands anzunehmen, damit er nach Rußland gelangen konnte?
Muß man die Verleumdungen gelten lassen, die dann gegen ihn
geschleudert wurden? Nannte man nicht auch ihn einen Spion des
Kaisers? Seine Verbindung zum Kaiser und das deutsche Eingreifen,
damit die Bolschewisten als Anstifter der Niederlage nach Rußland
gelangten sind doch offensichtlich.

Kuz.: Ob das richtig oder falsch ist, gehört nicht zur Sache.
Rak.: Nein, erlauben Sie mir, dies abzuschließen. Steht nicht fest, daß
Lenins Handlungsweise dem deutschen Staate zu gute kam? Gestatten
Sie: Hier ist der Friede von Brest-Litowsk, in dem gewaltige Gebiete
der Sowjet-Union an Deutschland abgetreten wurden. Wer hat das
Herbeiführen der Niederlage als bolschewistische Waffe schon 1913
proklamiert? Lenin, - ich weiß die Worte seinen Briefes an Gorkij
auswendig: "Der Krieg zwischen Österreich und Rußland würde für
die Revolution sehr nützlich sein, aber es ist nicht sehr
wahrscheinlich, daß Franz Josef und Nikita uns diese Gelegenheit
bieten." Sie sehen: Wir, die sogenannten Trotzkisten, die die
Herbeiführung der Niederlage im Jahre 1905 erfanden, zu welcher
Methode sich dann Lenin 1913 bekennt, wir verfolgen jetzt noch diese
Taktik, die Taktik Lenins ...
Kuz.: Mit dem kleinen Unterschied, Rakowskij, daß heute in der
Sowjetunion der Sozialismus und nicht ein Zar herrscht.
Rak.: Glauben Sie an das Bestehen des Sozialismus in der
Sowjetunion?
Kuz.: Ist denn die Sowjetunion nicht sozialistisch?
Rak.: Für mich nur dem Namen nach. Hier liegt der wahre Grund der
Opposition. Gestehen Sie mir zu - und der reinen Logik nach müssen