Rakowski Protokoll.pdf


Vista previa del archivo PDF rakowski-protokoll.pdf


Página 1...50 51 525354114

Vista previa de texto


gerade jetzt für Stalin von Nutzen ist, und daß uns darum die
Erdrosselung des Nationalismus in Europa einen Krieg lohnend
macht.
Kuz.: Zusammengefaßt also haben Sie, Rakowskij, einen
wirtschaftlichen und einen politischen Grund angegeben. Und welches
ist der dritte?
Rak.: Das ist leicht zu erraten. Wir haben noch einen religiösen
Grund. Ohne das niederzuschlagen, was vom Christentum noch lebt,
ist es unmöglich, den Kommunismus siegen zu lassen. Die Geschichte
ist beredt - es hat die Revolution sechzehn Jahrhunderte gekostet, ehe
sie ihren ersten Teilerfolg erringen konnte, indem sie die erste
Spaltung des Christentums hervorrief. In Wirklichkeit ist das
Christentum unser einziger Feind, denn das Politische und
Wirtschaftliche in den bürgerlichen Völkern ist nur seine Folge. Das
Christentum, das das Individuum bestimmt, ist fähig, die revolutionäre
Ausstrahlung des neutralen, laizistischen oder atheistischen Staates an
Luftmangel zugrundegehen zu lassen, wie wir es in Rußland erleben,
und schafft sogar diesen geistigen Nihilismus, der in den beherrschten,
noch christlichen Massen lebt, ein Hindernis, das auch in zwanzig
Jahren Marxismus noch nicht überwunden ist. Wir gestehen Stalin zu,
daß er jedenfalls auf dem religiösen Sektor kein Bonapartist war.
Auch wir hätten nicht mehr oder anderes getan als er. Ah! Wenn
Stalin auch wie Napoleon wagen würde, den Rubikon des
Christentums zu überschreiten, dann hätten sich sein Nationalismus
und seine gegenrevolutionäre Wirkung um das Tausendfache
vermehrt. Und vor allem, dann hätte eine radikale Unüberbrückbarkeit
jede Übereinstimmung zwischen uns und ihm unmöglich machen
müssen, auch wenn sie nur zeitlich und objektiv ist - wie diejenige,
welche sich schon zwischen uns abzeichnet, wie Sie erkennen werden.
Kuz.: Tatsächlich, es ist meine persönliche Meinung, daß Sie die drei
Grundpunkte herausgearbeitet haben, über die man die Linie eines
Planes ziehen kann. Soviel gebe ich Ihnen für den Augenblick zu.
Aber ich mache meine geistigen Vorbehalte, im einzelnen meinen
völligen Unglauben hinsichtlich dessen, was Sie auf dem Gebiet von