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Kuz.: Ich verstehe. Danach aber sehe ich kein anderes Mittel, ihn
zurückzuhalten, als ein Bündnis der Sowjetunion und der
demokratischen Völker, das Hitler einschüchtern könnte. Wie ich
glaube, ist er doch nicht stark genug sich zur gleichen Zeit gegen alle
Staaten der Welt zu wenden, wohl dagegen durchaus stark genug,
einen nach dem anderen ...
Rak.: Kommt Ihnen das nicht als eine allzu einfache, fast möchte ich
sagen, kontrarevolutionäre Lösung vor?
Kuz.: Um einen Krieg gegen die Sowjetunion zu vermeiden?
Rak.: Schneiden Sie diesen Satz in der Mitte entzwei: "einen Krieg zu
vermeiden", ist das nicht völlig kontrarevolutionär? Denken Sie nach:
jeder echte Kommunist muß in Nachahmung seines Idols Lenin und
der anderen großen revolutionären Strategen immer den Krieg
wünschen. Nichts beschleunigt so den Sieg der Revolution wie der
Krieg. Das ist ein marxistisch-leninistisches Dogma, zu dem Sie sich
bekennen müßten. Also - dieser stalinistische Nationalkommunismus,
dieser Bonapartismus ist fähig, den Verstand der reinsten
Kommunisten derartig zu verdunkeln, daß sie die Umkehrung gar
nicht mehr erkennen, der Stalin verfällt, nämlich die Revolution der
Nation unterordnen, statt die Nation der Revolution!
Kuz.: Ihr Haß gegen Stalin verblendet Sie und verwickelt Sie in
Widersprüche. Waren wir nicht darin einig geworden, daß ein Angriff
auf die Sowjetunion nicht wünschenswert sei?
Rak.: Und warum muß der Krieg denn notwendigerweise gegen die
Sowjetunion gerichtet sein?
Kuz.: Welches andere Volk könnte Hitler denn sonst angreifen? Es ist
doch ganz klar, daß er seinen Angriff gegen die Sowjetunion richten
wird, wie seine Reden es ankündigen. Was für Beweise wollen Sie
noch dafür?