Rakowski Protokoll.pdf

Vista previa de texto
besteht für ihn nicht, und der Handel und Geldumlauf sind für ihn Folge des
bösen kapitalistischen Produktionssystems, dem sie völlig untergeordnet und
von dem sie bestimmt sind. In der Geldfrage erscheint Marx als Reaktionär, und
das war er, zur größten Überraschung, obwohl er jenen fünfzackigen Stern gleich dem Sowjetstern - vor Augen hatte, der ganz Europa mit seinem Glanz
erfüllte: die fünf Brüder Rothschild mit ihren Banken, die Herren über die
größte Akkumulation des Kapitals, die die Welt bisher gesehen hatte. An dieser
ungeheueren Tatsache, die die Einbildungskraft jener Zeit blendete, geht Marx
unbemerkt vorüber. Das ist doch sonderbar - nicht? Vielleicht ergibt sich aus
dieser besonderen Blindheit von Marx ein gemeinsames Phänomen in den
Revolutionen der letzten Zeit. Wir alle können beweisen, daß, wenn die Massen
sich einer Stadt oder Nation bemächtigen, sie immer eine fast abergläubische
Furcht vor Banken und Bankiers zeigen. Sie haben Könige, Generale, Bischöfe,
Polizisten und andere Vertreter der gehaßten Vorrechte umgebracht, haben
Kirchen, Paläste und sogar Stätten der Wissenschaft geplündert und in Brand
gesetzt, aber als wirtschaftlich-soziale Revolutionäre haben sie das Leben der
Bankiers respektiert und die prächtigen Bankgebäude unverletzt gelassen. Nach
meinen Aufzeichnungen bis zu meiner Verhaftung wiederholt sich heute das
Gleiche ... »
Auf Kuzmins ungläubige Frage «Wo?» antwortet Rakowskij: «In Spanien.
Wissen Sie das nicht?» (Griffin 1980, S. 288f) Auch im von den Kommunisten
1936 entfachten spanischen Bürgerkrieg, der in Wahrheit eine auf unerwartet
harten Widerstand gestoßene kommunistische (also illuminierte) Revolution
war, wurden viele tausend verhaßte Bürgerliche, darunter zig Bischöfe und mehr
als tausend Priester und Ordensleute, bestialisch ermordet, zahllose Kirchen,
Klöster und bürgerliche Häuser gesprengt oder niedergebrannt, während man die
Hochfinanz und ihre palastartigen Niederlassungen - nach Rakowskijs zynischen
Worten «Tempel, die ihre heidnischen Säulenfassaden an jeder Ecke der
modernen Städte emporrecken und zu welchen die Menge eilt, besessen von
einem Glauben, den nicht einmal die Himmlischen einzuflößen vermögen, um
begeistert alle Reichtümer der Gottheit "Geld" darzubringen, von der sie
meinen, sie throne im Stahlschrank der Bankiers, ihrer göttlichen Aufgabe
hingegeben, sich bis ins Unendliche zu vermehren» (ebd. S. 292) - völlig
unangetastet ließ!
Vom offiziellen Gründer und bis heute Dauermitglied der Trilateralen
Kommission wie auch der Bilderberger-Gruppe, dem Rockefeller-Vertrauten
und «Sicherheitsberater» (will sagen der Grauen Eminenz) der Carter-Regierung
Zbigniew Brzezinski kennt man einige äußerst erhellende Aussprüche. Als
«Bibel der Trilateralen» wird - nach Griffin (1986, S. 221) - das allerdings schon
1970 erschienene Buch Brzezinskis «Between two Ages - Zwischen zwei
Zeitaltern» betrachtet. In diesem Buch erklärt sein Verfasser das Christentum
und die Religion überhaupt für endgültig überholt und behauptet, daß der
