Rakowski Protokoll.pdf

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Kuz.: Wem denn sonst?
Rak.: Zu neunzig Prozent ist er "Jenen" zuzuschreiben. Sie dürfen
nicht vergessen, daß die Weißen auf Ihre Art "demokratisch" waren.
Bei ihnen waren die Menschewisten und die Reste aller alten liberalen
Parteien. Innerhalb dieser Kräfte haben "Jene" immer sehr viel Kräfte,
bewußt oder unbewußt, in ihren Diensten gehabt. Als Trotzkij das
Kommando übernahm, bekamen sie Befehl, systematisch die Weißen
zu verraten, und zugleich die Zusage, daß sie mehr oder weniger
schnell an der Sowjetregierung beteiligt werden würden. Maiskij war
einer dieser Männer, einer der wenigen, dem man das Versprechen
gehalten hat, aber auch nur, weil er Stalin von seiner Treue
überzeugen konnte. Als diese Sabotage zusammenwirkte mit der
schrittweisen Verminderung der Hilfe für die weißen Generäle, da
erlitten diese, die außerdem arme Idioten waren, eine Niederlage nach
der anderen. Endlich nahm Wilson in seine berüchtigten 14 Punkte
den Punkt 6 auf, der ausreichte, um für immer jedem Versuch der
"Weißen" gegen die Sowjetunion ein Ende zu setzen. Während des
Bürgerkrieges faßte man Trotzkij für die Nachfolge Lenins ins Auge.
Daran war gar nicht zu zweifeln. Der alte Revolutionär konnte schon
in seinem Ruhm sterben. Wenn er lebend den Kugeln der Kaplan
entging, so würde er wohl nicht lebend der getarnten Euthanasie
entkommen, die man gegen ihn anwandte.
Kuz.: Hat Trotzkij sein Leben abgekürzt? Großer Clou für Ihren
Prozeß? War es etwa Levin, der Lenin behandelte?
Rak.: Trotzkij? Vielleicht hat er eingegriffen. Daß er darum gewußt
hat, ist ganz sicher. Also gut, die technische Durchführung, das
Zusätzliche - wer weiß das? "Jene" haben soviel Kanäle, um zu ihrem
Ziel zu kommen.
Kuz.: Wie es auch sei - die raffinierte Ermordung Lenins ist etwas
derartiges erster Ordnung, daß sie im nächsten Prozeß vorgebracht
werden muß. Was meinen Sie, Rakowskij, erscheint Ihnen das als
nebensächlich, der Urheber? Natürlich, wenn Sie in diesem Gespräch
scheitern ... Der technische Fall paßt zu Ihnen als Arzt gut.
