Rakowski Protokoll.pdf

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Stockholm. Ich war "aus Zufall" in Stockholm dabei und nahm Teil an
der Übertragung der Gelder. Bis Trotzkij kam, war ich der einzige, der
von der revolutionären Seite daran teilnahm. Aber Trotzkij kam
endlich; ich muß betonen, daß die Alliierten ihn aus Frankreich wegen
seiner Tätigkeit für die Niederlage ausgewiesen hatten und daß die
gleichen Alliierten ihn freiließen, damit er im alliierten Rußland für
die Niederlage wirken sollte. Wieder ein Zufall? Wer wird das
geschafft haben? Die Gleichen, die es erreichten, daß man Lenin quer
durch Deutschland fahren ließ! Wenn "Jene" in England erreichen
konnten, Trotzkij, den Wehrzersetzer, aus einem Lager in Canada
herauszuholen und zu bewirken, daß er mit Freipaß durch alle
alliierten Kontrollen nach Rußland fahren konntet so haben andere,
darunter Rathenau, die Fahrt Lenins durch das feindliche Deutschland
durchgesetzt. Wenn Sie einmal die Geschichte der Revolution und des
Bürgerkrieges ohne Vorurteile studieren würden, mit dem Geist einer
polizeilichen Untersuchung, wie Sie es in geringen Fragen mit
weniger Beweismaterial tun, so werden Sie im gesamten Ablauf der
Ereignisse wie in den Einzelheiten und sogar in manchen
anekdotischen Zügen eine Reihe erschreckender "Zufälligkeiten"
finden.
Kuz.: Gut, nehmen wir als Hypothese an, daß das nicht alles Zufall
sei. Was leiten Sie nun an praktischen Wirkungen davon her?
Rak.: Lassen Sie mich diese kleine Geschichte abschließen - nachher
wollen wir beide daraus die Schlüsse ziehen. Trotzkij wird seit seiner
Ankunft in Petrograd ohne Vorbehalt von Lenin zugelassen. Wie Sie
nur zu gut wissen, waren die Meinungsverschiedenheiten zwischen
den beiden in der Zeit zwischen den beiden Revolutionen sehr tief.
Alles ist vergessen, und Trotzkij ist der Meister des Triumphes der
Revolution, ob Stalin das will oder nicht. Warum? Das Geheimnis
davon bewahrt die Frau Lenins, die Krupskaja. Sie weiß, wer Trotzkij
wirklich ist; sie hat auch Lenin überzeugt, Trotzkij aufzunehmen.
Sonst wäre Lenin in der Schweiz blockiert geblieben, das war schon
ein mächtiger Beweggrund für ihn. Und ebenso war es das Wissen
darum, welche Hilfe Trotzkij der Revolution gebracht hat. Lenin
wußte damals, daß Trotzkij das Geld und mächtige internationale
Hilfe brachte; der plombierte Wagen war der Beweis dafür. Dann die
